Selbstfürsorge ist kein Luxus – warum du dir zuerst die Sauerstoffmaske aufsetzen musst
„Ich habe keine Zeit für mich.“ Diesen Satz höre ich in fast jedem Erstgespräch. Und ich verstehe ihn – weil ich ihn selbst jahrelang gedacht habe.
Eltern von Kindern mit ADHS sind dauerhaft im Einsatz. Du begleitest, erklärst, vermittelst, schützt, organisierst. Du bist Puffer zwischen deinem Kind und der Welt. Das zehrt. Und irgendwann merkst du: Du bist selbst leer.
„Wenn du dauerhaft für alle da bist, ohne für dich selbst zu sorgen, hilfst du niemandem – am wenigsten deinem Kind.“
Was ich in meiner eigenen Geschichte gelernt habe
Es gab eine Phase, da habe ich meinen eigenen Akku komplett ignoriert. Ich habe funktioniert, organisiert, gemanagt – und war innerlich auf Reserve. Der Wendepunkt kam nicht durch eine große Erkenntnis, sondern durch einen ganz kleinen Moment: Ich bin einfach morgens 20 Minuten früher aufgestanden. Nur für mich.
Das klingt banal. Aber dieser kleine Puffer hat etwas verändert. Ich war ruhiger. Reaktionsfähiger. Weniger im Überlebensmodus. Und plötzlich konnte ich meinem Kind in schwierigen Momenten viel gelassener begegnen – nicht weil die Situationen einfacher geworden wären, sondern weil ich mehr innere Kapazität hatte.
Was das mit deinem Kind zu tun hat
Ein ADHS-Kind spürt den emotionalen Zustand seiner Eltern sehr genau – oft sogar überdeutlich. Dein Stress überträgt sich. Deine Ruhe auch. Das bedeutet: Selbstfürsorge ist keine Selbstsucht. Sie ist eine Bedingung dafür, dass du überhaupt gut für dein Kind da sein kannst.
Ich erkläre das im Seminar gerne mit dem Bild aus dem Flugzeug: Die Sauerstoffmaske zuerst bei sich selbst anlegen – nicht weil du wichtiger bist, sondern weil du handlungsunfähig bist, wenn du keine Luft mehr bekommst. Als Elternteil eines ADHS-Kindes bist du täglich in einem anspruchsvollen Einsatz. Und dieser Einsatz erfordert, dass du mit einem halbwegs vollen Akku antritts – nicht auf Reserve.
Warum „ich hab keine Zeit“ meistens eine Schutzbehauptung ist
Das sage ich nicht um zu verurteilen – ich habe das selbst gedacht und geglaubt. Aber wenn ich genauer hinschaue: Wir finden Zeit für Dinge, die wir als dringend oder wichtig empfinden. Selbstfürsorge fühlt sich für viele Eltern schlicht nicht wichtig genug an. Sie kommt hinter dem Kind, hinter dem Haushalt, hinter dem Job.
Was hilft: den Gedanken umdrehen. Selbstfürsorge ist kein Bonus, den du dir verdienen musst. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass du morgen wieder da sein kannst – geduldig, präsent, belastbar. Wer das verinnerlicht hat, hört auf, sich dafür zu rechtfertigen.
- 10 Minuten spazieren gehen – täglich, ohne Handy.
- Eine Tasse Kaffee trinken, bevor der Tag losgeht – bewusst, im Sitzen.
- Drei tiefe Atemzüge bewusst machen, bevor du auf eine Eskalation reagierst.
- Einmal pro Woche etwas tun, das dir Energie gibt – nicht deiner Familie, nur dir.
- Abends kurz innehalten: Was war heute gut? Auch kleine Dinge zählen.
Was Selbstfürsorge nicht bedeutet
Ich erlebe oft, dass Eltern bei dem Wort „Selbstfürsorge“ sofort an Wellness-Wochenenden oder teure Auszeiten denken. Das ist nicht gemeint. Selbstfürsorge beginnt im Kleinen – und sie beginnt heute.
Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen oder täglich eine Stunde Meditation einzubauen. Es geht darum, dir selbst gegenüber nicht der Letzte zu sein. Darum, deine eigenen Grenzen wahrzunehmen, bevor du gegen eine Wand läufst. Und darum, dir zu erlauben, ein Mensch mit Bedürfnissen zu sein – nicht nur eine Funktion im Leben deines Kindes.
Gerade als Elternteil eines ADHS-Kindes wirst du täglich gefordert. Es gibt Tage, an denen alles gleichzeitig passiert: Schule meldet sich, das Kind dreht auf, der Abend eskaliert. An diesen Tagen brauchst du Reserven. Die entstehen nicht durch Zufall – sondern durch bewusste kleine Entscheidungen, die du vorher triffst.
Was der nächste Schritt sein kann
Im Seminar schauen wir gemeinsam, wo deine ganz persönlichen Energiequellen liegen – und was dich wirklich aufbraucht. Denn das ist bei jedem Elternteil anders. Was der einen Kraft gibt, kostet die andere Energie. Deswegen ist Selbstfürsorge kein Rezept, das für alle gleich aussieht. Es ist ein Prozess – und du musst ihn nicht alleine herausfinden.
Du möchtest nicht mehr auf Reserve laufen? Im Elternseminar der Wachstumsakademie bekommst du nicht nur Strategien für dein Kind, sondern auch für dich selbst – praxisnah, ohne erhobenen Zeigefinger, mit echtem Verständnis für deinen Alltag.
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