ADHS und die Pubertät: Frühzeitig vorbereiten | Wachstumsakademie Sonja Warnke
Entwicklung & Übergänge

ADHS und die Pubertät: Was Eltern von Grundschulkindern schon jetzt wissen sollten

Die Pubertät scheint noch weit weg – doch manche Weichen, die diese Zeit später erleichtern, werden schon in der Grundschulzeit gestellt.

Dein Kind ist noch in der Grundschule – die Pubertät scheint weit weg. Und doch lohnt es sich, heute schon einen Blick darauf zu werfen, wie sich ADHS im Jugendalter verändert. Denn manche Weichen, die den Umgang mit dieser Phase erleichtern, werden schon vorher gestellt.

ADHS verändert sich – es verschwindet aber selten einfach

Lange hielt sich der Mythos, ADHS „wachse sich aus“. Die Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild: Studien von Biederman und Kolleg:innen sowie von Barkley und Kolleg:innen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Kinder mit ADHS auch im jungen Erwachsenenalter noch klinisch relevante Symptome oder zumindest deutliche funktionelle Einschränkungen aufweist.

Was sich verändert, ist eher das Erscheinungsbild:

Hyperaktivität nimmt oft ab Konzentrationsprobleme bleiben häufig Selbstorganisation bleibt schwierig

Diese Verschiebung wird auch in den offiziellen Diagnosekriterien berücksichtigt: DSM-5 und ICD-11 erkennen ausdrücklich an, dass sich die Symptomatik im Lebensverlauf verändern kann, ohne dass die zugrundeliegende Störung verschwindet.

Warum die Pubertät zur Belastungsprobe wird

Für Jugendliche mit ADHS kommen in der Pubertät mehrere Herausforderungen zusammen: der Wechsel zur weiterführenden Schule mit neuen Lehrkräften und weniger festen Bezugspersonen, hormonelle Umbauprozesse, die die Emotionsregulation zusätzlich belasten, und die alterstypische Ablösung von den Eltern, die auf ein Nervensystem trifft, das ohnehin mit Selbststeuerung kämpft.

Fachliteratur weist zudem auf ein erhöhtes Risiko für Leistungsverweigerung, Schulunlust oder – bei bereits früher aggressivem Verhalten – dissoziale Auffälligkeiten hin, wenn keine Unterstützung erfolgt.

Was du als Elternteil eines Grundschulkindes jetzt schon tun kannst

1
Selbstorganisation früh üben – in kleinen Schritten. Wochenpläne, feste Rituale oder visuelle Strukturen, die du jetzt einführst, werden später zur Grundlage für mehr Selbstständigkeit.
2
Beziehung vor Kontrolle stärken. Jugendliche mit ADHS reagieren in der Pubertät besonders sensibel auf Druck. Eine tragfähige Beziehung in der Kindheit ist die beste Grundlage für die schwierigeren Jahre danach.
3
Erfolgserlebnisse aktiv schaffen. Fehlende Erfolgserlebnisse können langfristig zu Frustration und Rückzug führen – gezielte Förderung von Stärken wirkt dem entgegen.
4
Den Schulwechsel bewusst vorbereiten. Ein frühzeitiger Austausch mit der neuen Schule und eine feste Ansprechperson erleichtern diesen kritischen Übergang erheblich.
Die Pubertät mit ADHS ist herausfordernd – aber sie ist keine Einbahnstraße ins Negative. Viele der Fähigkeiten, die du deinem Kind heute in der Grundschulzeit mitgibst, wirken wie ein Fundament, auf dem es in den schwierigeren Jahren aufbauen kann.

Quellen

  1. Biederman, J. et al. (2000). Persistence of attention-deficit/hyperactivity disorder. American Journal of Psychiatry, 157, 816–818.
  2. Barkley, R. A. et al. (2002). Developmental trajectories of ADHD. Journal of Abnormal Psychology, 111, 279–289.
  3. American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5).
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