Wenn die Wut überkocht: Was hinter ADHS-Wutausbrüchen wirklich steckt
Emotionale Dysregulation gilt in der Forschung als Kernsymptom von ADHS – nicht als Nebenerscheinung. Was das für euren Alltag bedeutet.
Nicht „Charaktersache“, sondern messbare Regulationsschwäche
Der amerikanische ADHS-Forscher Russell Barkley prägte dafür den Begriff DESR – Deficient Emotional Self-Regulation, also ein Defizit in der Fähigkeit, starke Gefühle abzumildern, herunterzuregulieren oder sich rasch wieder zu beruhigen. Wichtig: Das bedeutet nicht, dass Kinder mit ADHS „mehr“ fühlen als andere. Es bedeutet, dass ihnen die neurologischen Bremsen fehlen, die ein reguliertes Herunterkommen ermöglichen.
Eine Studie von Schmitt, Gold und Rauch (2012), veröffentlicht in der Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, untersuchte genau diesen Zusammenhang bei Kindern mit ADHS und fand deutliche Defizite in der adaptiven Emotionsregulation – also in der Fähigkeit, Gefühle situationsangemessen zu steuern.
Der Zusammenhang mit exekutiven Funktionen
Warum genau fällt das so schwer? Forschung zeigt: Emotionale Dysregulation hängt eng mit den sogenannten exekutiven Funktionen zusammen – vor allem mit Arbeitsgedächtnis und kognitiver Flexibilität. Wenn ein Kind mitten im Gefühlsturm nicht mehr „den Kontext halten“ kann, fällt es ihm entsprechend schwerer, gedanklich umzuschalten und sich selbst zu beruhigen.
Was das für den Alltag bedeutet
Quellen
- Barkley, R. A. Deficient Emotional Self-Regulation: A Core Component of ADHD. Journal of ADHD and Related Disorders.
- Schmitt, K., Gold, A., & Rauch, W. A. (2012). Defizitäre adaptive Emotionsregulation bei Kindern mit ADHS. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 40, 95–103.
- Ruhr-Universität Bochum (2022). Emotionale Dysregulation und exekutive Funktionen bei Kindern mit ADHS und der Einfluss von Schlaf. Dissertation, RUB-Repository.